Posts Tagged “Fernsehen”

Wo ich schon mit dem letzten Beitrag beim Thema Kommentare bin, kann ich hiermit auch noch eine neue Rubrik einführen: Kommentaranalysen. Insbesondere auf meine kritischen Beiträge zum Thema: Missbrauch der Quantenphysik durch Esoteriker ziehen immer wieder Kommentare an, die, sagen wir mal, ‘interessant’ sind. Ich werde hier versuchen, typische Punkte herauszuarbeiten. Wenn ich irgendwann eine Sammlung solcher Kommentare habe könnte es interessant sein, darin nach Mustern zu suchen.

Heute soll es um den Kommentar von einem gewissen “Art. 4 GG” gehen. Das ist schon so ein Punkt: Echte Namen oder Identitäten werden selten verwendet, man bleibt anonym. Ausser datürlich, Artikel 4 des Grundgesetzes surft im Internet. Aber das wage ich zu bezweifeln.

Der Kommentar bezieht sich auf einen Nachtrag, zu einem Nachtrag, zur einem Beitrag über eine als wissenschaftsgestützt getarnte  Esoterikveranstaltung (oh Mann, das wird langsam kompliziert. Folgt demnächst Nachtrag^3 oder was soll ich machen?).  Er ist übrigens auf Deutsch, wie die meisten dieser Kommentare im Blog. Er beginnt damit, auf ein Zitat zu verweisen:

“In keiner freiheitlichen Demokratie wird Diskriminierung wegen der Religion oder Weltanschauung so schamlos betrieben wie in Deutschland”

Dieses stammt von einem ehemaligen Richter am (NRW-)Verfassungsgericht, Martin Kriele. Diese Vorgehensweise kennt man ja ganz gut aus der Szene: Sich auf vermeintliche Autoritäten berufen, um seiner Meinung mehr Gewicht zu verleihen. Leider bin ich gegen sowas immun. Dennoch fand ich es interessant, was ich zu Martin Kriele so alles heraus finden konnte: Ja, er war einmal Richter. Das Zitat stammt aus einem Beitrag in der juristischen Fachzeitschrift ZRP - Zeitschrift für Rechtspolitik. Deren Herausgeber ist zufälligerweise Kriele selbst. Kritik zum Text findet sich auf der Seite der AGPF. Krieles Reaktion auf diese Kritik findet sich auf seiner Homepage und äußert sich vor allem in Angriffen gegen die Person das Autors, die ich für so unverschämt halte, dass ich sie hier weder wiedergeben noch verlinken mag. Kriele ist ferner Unterzeichner der Marburger Erklärung, die den entlarvenden Titel „Für Freiheit und Selbstbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“ trägt. Kurz: Homosexualität sei heilbar. Sein Frau Alexa Kriele ist ‘Engeldolmetscherin’ und war passenderweise erst Anfang diesen Monats (05.01.) bei der ARD-Sendung ‘Menschen bei Maischberger’ zum Thema ‘Seher und Propheten – Geheimwissen oder fauler Zauber?’ zu Gast. Dazu gibt es bei der Frankfurter Rundschau einen schönen Artikel. Hier nur zwei Zitate zur Einstimmung:

Dann wird es für Kriele sehr unangenehm. Die Journalistin Dierbach wirft ihr vor, dass sie in ihrem Buch behaupte, Opfer von Krankheiten seien wegen des reinkarnierten Lebens oft auch Täter, die nur verspätet zur Verantwortung gezogen werden. Laut Dierbach soll das im Buch auch über Aids-Kranke in Afrika gesagt werden. Maischberger bestätigt das.

Kriele ist inzwischen aufgebracht und weist jegliche Kritik fahrig zurück. Schließlich hat sie einiges zu verlieren, ihr Honorar liegt laut Dierbach bei 180 Euro – pro Stunde.

Im EsoBlog gibt es übrigens auch einen Beitrag zur Sendung. Mit Martin Kriele hat dies alles insofern zu tun, als er seine Frau offenbar bei ihrer Tätigkeit unterstützt, Lektor ihrer Bücher war und ein Vorwort geschrieben hat. So kommt er auch auf ihrer Homepage zu Wort.

So. Und jetzt soll ich dieses Zitat noch irgendwie ernst nehmen?

Aber der Kommentar geht ja noch weiter:

Ihre kritischen Anmerkungen sind unschlüssig und eklatant unsubstantiiert und bestätigt Ihre eigene Einschätzung, die Quantenphysik sei für Sie schwer verständlich, denn offenbar sind Sie uninformiert oder de facto intellektuell unfähig, die Erkenntnisse der Quantenphysik richtig zu erfassen.

Autsch. Wenn man das einmal der blumigen Sprache beraubt heißt es doch: Sie haben keine Ahnung oder sind praktisch zu dumm es zu kapieren. Ein direkter Angriff, und zwar persönlich. Kritische Gegenargumente in der Sache werden nicht vorgetragen. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich mit solch einem unkonstruktiven Kommentar umgehen soll. Aber ich denke, er entlarvt eher die Esoteriker, von denen er vorgetragen wird. Oder wie seht Ihr das?

Zur Sache: Ich habe Physik studiert, meinen Abschluss gemacht und promoviere. Der Professor in meiner Prüfung über Theoretische Physik war also offensichtlich anderer Meinung als der Kommentator. Darüber hinaus habe ich mich mit den philosophischen Aspekten der Quantenphysik in meinem Nebenfach beschäftigt. Ich denke schon, dass ich weiß, wovon ich spreche. Daher macht der letzte Teil des Kommentars auch keinen weiteren Sinn:

Kritik aber gegen Weltanschauungen ohne entsprechende vorherige Erkenntnisverschaffung und Bildung über den Gegenstand der Kritik, so wie Sie diese betreiben, reduziert Ihre, von vornherein schon nicht konstruktive, “Kritik” qualitativ aber schließlich auf eine absolut destruktive und diskriminierende Anmaßung mit unbegründet bleibender Feindseligkeit und sollte hinreichend Anlass geben, über vorgenannte Äußerung des Herrn Prof. Dr. Kriele nachzudenken.

Zunächst fällt auf, dass der Satz elend lang ist. Meinen Beitrag noch einmal durchsehend stelle ich außerdem fest: Ich habe nicht einmal das Weltbilder kritisiert, sondern vorrangig die Instrumentalisierung der Quantenphysik durch esoterische Strömungen. Unbegründet ist mein Text erst recht nicht. Das ist offenbar auch typisch: Bloß nicht auf die eigentlichen Punkte eingehen. Achso, über Krieles Äußerung habe ich dann tatsächlich, wie oben ausgeführt, nachgedacht. :-)

Schließlich noch eine entscheidende Eigenart: Da ist der Kommentar noch so unfreundlich, begonnen wird er natürlich mit einem “Sehr geehrter” und abgeschlossen “Mit freundlichen Grüßen”. Darauf hätte ich verzichten können.

PS: Die traurigen Auswirkungen derartiger Veranstaltungen, wie dem Vortrag “Quantenphilosophie und Spiritualität” der letztens in der Handwerkskammer Hamburg stattfand, kann man in diesem Blog eines ‘Betroffenden’ nachlesen….

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UPDATE 2: Der Beitrag ist nun in der Mediathek von 3Sat zu finden, dazu gibt es hier einen Artikel. Sehr interessant sind auch die zusätzlichen Aufnahmen von Prof. Pavel Kroupa, in denen er über die Argumente gegen Dunkle Materie, Modifizierte Gravitation und die Auswirkungen spricht: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10. Hm… eine Möglichkeit die Videos hier einzubinden besteht offenbar leider nicht.

UPDATE: Sorry, aber der Bericht für heute Abend wurde wohl verschoben. vorausichtlich auf Freitag, den 23.10. Ich hasse diese Kurzentschlossenheiten im Fernsehen, aber das scheint üblich zu sein. Ein Freund wurde vor einem guten Jahr über seine Forschung befragt, der Bericht wurde dann ewig hin und her verschoben, so dass ich ihn schließlich verpasst habe. Aber es bleibt ja noch die Mediathek.

Die Sendung, für die letzte Woche ein Fernsehteam im Institut gedreht hat, wird offenbar schon morgen Freitag (23.10.) Abend ausgestrahlt: Auf “3Sat” in der Sendung “Nano” um 18:30 Uhr. Der Beitrag trägt den schönen Titel “Newtons unentschlossener Apfel”, es geht also um die Kontroverse, ob Dunkle Materie existiert oder eine Modifizierung der Gravitationsgesetze die bessere Alternative darstellt. Nach der  Ausstrahlung wird die Sendung auch in der 3Sat Mediathek online zu sehen sein.

Überhaupt ist 3Sat diese Woche für astronomiebegeisterte Zuschauer nur zu empfehlen. Grund ist die Themenwoche “Sternstunden - Eine Woche voller Astronomie” aus Anlass des Internationalen Jahres der Astronomie. Dafür gibt es eine Reihe Sondersendungen, in denen es dann (im Gegensatz zu “Nano” morgen Abend) wohl ausschließlich um Astronomie gehen wird.

Insbesondere möchte ich dabei auf Donnerstag Abend (den 22.10.) hinweisen. Zunächst, ebenfalls um 18:30 das “Nano Spezial” zum Thema “Reise an den Rand des Universums”. Später am Abend, von 21:00 bis 22:00 Uhr wird sich dann die 3Sat-Sendung “scrobel” mit dem Thema “Sternstunden der Weltraumforschung - Von Galileos Fernrohr zu modernen Teleskopen” beschäftigen. In beiden Sendungen werden Beiträge zu sehen sein, die ebenfalls hier am Argelander-Institut für Astronomie der Uni Bonn sowie am benachbarten Max-Planck-Institut für Radioastronomie und am Radioteleskop Effelsberg in der nahen Eifel gedreht wurden.

Ich hoffe ich finde die Zeit etwas davon zu sehen. Falls Ihr eine der Sendungen schaut würde mich eure Meinung dazu interessieren. Schreibt also ruhig einen Kommentar, und vielleicht kann ich auch die eine oder andere Frage beantworten.

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Als ich heute ins Institut kam hat mein Professor mich gebeten in einer Stunde zu einer Diskussionsrunde mit ein paar Kollegen zu kommen. Unsere Themen sind nicht so ganz verwandt, darum war ich gleich etwas misstrauisch. Die Gerüchteküche bestätigte dies dann: Anscheinden ist ein Team von der ZDF/3sat-Sendung Nano vor Ort. Und die benötigen entweder Hintergrundgeräusche oder Bildmaterial (da gehen die Interpretationen außeinander.) *Arks*, hätte ich das gewust hätte ich mir was anderes angezogen.

Das erinnert mich an eine Reihe von PhD-Comics die ich vor einiger Zeit gesehen habe. Naja, vielleicht sollte ich jetzt schnell einen Laborkittel und eine dicke Brille auftreiben. Man will ja nicht aus der Rolle fallen. :-)

Update: Das ging schnell. Sie haben tatsächlich nur ein paar Einstellungen gebraucht in denen Wissenschaftler so tun als würden sie diskutieren. War in fünf Minuten erledigt,  um den Ton ging es nicht und wir mussten auch keine Laborkittel tragen.

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Ich hab es ja befürchtet und man musste wohl damit rechnen: Das ZDF hat Elke Heidenreich gefeuert, nachdem diese als Reaktion auf Marcel Reich-Ranicki’s Nicht-Annahme des deutschen Fernsehpreises einen Fernseh- und ZDF-kritischen Artikel in der FAZ (fortgesetzt hier) veröffentlicht hatte. Ich könnte mich jetzt furchtbar darüber aufregen, wie borniert und wenig kritikfähig man sein muss, um nicht damit um gehen zu können, dass mal jemand ehrlich die Scheiße im Fernsehen beim Namen nennt. Aber was würde es helfen? Ich will einfach nicht begreifen, warum die Öffentlich-Rechtlichen sich auf diese idiotische Gleichmacherei und den Niveausturzflug einlassen. Eigentlich sollten die doch nicht von der Zuschauerquote abhängen und eher versuchen, mit Qualität dagegen zu halten. Anspruchsvollere Sendungen lassen sich sicher auch kostengünstiger realisieren als (Promi-)Shows. Und Erfolg haben ARD und ZDF mit der Nachmache doch offenbar auch nicht.

Heidenreich war nicht mutig diese Kritik zu äußern, das sollte in einer Demokratie normal sein. Aber die Entscheidung des ZDF finde ich feige. Statt sich der Kritik zu stellen wird sich der Kritikerin entledigt. Mich ärgert ja nicht einmal, dass „Lesen“ jetzt nicht mehr „mit Elke Heidenreich“ ist, ich hab die Sendung nie gesehen. Was ich davon mitbekommen hab war mir zu platt, aber ich mag mich getäuscht haben. Schlimmer finde ich diesen Vorgang an sich: Kritik kann auch heute nicht frei geäußert werden, ohne dass man schwere Konsequenzen befürchten muss. Gerade die Öffentlich-Rechtlichen Sender sollten sich dieses Grundkonzepts der Demokratie bewusst werden. Statt dessen gewinnen die Medien immer mehr Einfluss und werden gewisser Maßen zu einer Art vierten Macht im Staat. Ursprünglich sollten sie die Mächtigen kontrollieren, der Politik und anderen auf die Finger schauen und die Bevölkerung auf Missstände hinweisen. Inzwischen machen sie selbst Meinung, Politik und Geld. Das geht so weit, dass Öffentlich-Rechtliche Sender auf der einen und Verlage auf der anderen Seite sich einen publizistischen Kleinkrieg um die Bürger- und Politikermeinung liefern, in dem die Verlage die werbefreien Internetangebote der Sender radikal einschränken wollen. Dies führt zu Artikeln die ausschließlich einseitig sind und meiner Auffassung von Journalismus völlig zuwider laufen.
Es ist wohl an der Zeit, dass Blogger auch in Deutschland mehr Einfluss gewinnen, um den etablierten Medienkonzernen zumindest von unten entgegen zu treten.

Wer auch lieber ein anderes, höherwertiges Fernsehprogramm hätte, dem sei der Film „Free Rainer – dein Fernseher Lügt“ empfohlen, den es auf DVD zu kaufen gibt. Ich schätze außer ARTE wir den wohl kein Sender je im Fernsehen zeigen wollen… aber andererseits, wenn’s Quote bringt …

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