Posts Tagged “Astrologie und Esoterik”
Da trudelte gerade ein neuer Kommentar zu einem uralten Artkel über astronomische Aprischerz-Paper ein. Und ja, es scheint tatsächlich so etwas wie Spam zu sein, was sich da am Filter vorbei geschlichen hat:
Lustig, die verrückten Astronomen. Immer für einen guten Scherz zu haben. Gefällt mir wirklich.
Viele Grüße von einem halbwissenden Astrologen vom Martin
Monatshoroskop kostenlos
Die letzte Zeile war dann verlinkt auf http://www.sternzeichen-horoskop/. Ja, ohne Domainendung. Erst dachte ich, dass da ein Astrologe so blöde ist, seine Spam-Adresse nicht einmal richtig zu schreiben. Aber da viele Browser ein “.com” automatisch ergänzen, wenn keine Domainendung angegeben ist, landet man doch auf der richtigen Seite (umgeht aber gleichzeitig den Spamfilter? Ich weiss es nicht, aber das wäre schon geschickt). Die Website ist dann voller Werbung und Texten über Sternzeichen, Wochen- und Monatshoroskope, Jahreshoroskope sind auch dabei. Hmm… sowas nennt sich Astrologe?
Nein, tatsächlich handelt es sich wohl weniger um einen Astrologen. Ich hab etwas nachgeforscht, weil es noch mehr Gründe gab, um stutzig zu werden. Obwohl der Kommentar mit “vom Martin” unterschrieben ist hat er doch als Name im Kommentar-Formular “Dennis” eingegeben, die Emailadresse passt dann aber vom Namen her zu dem im Impressum von “sternzeichen-horoskop.com” genannten Inhaber, einem “Alexander”. Der wiederum eher Webdesigner zu sein scheint und, so interpretiere ich das, auf der Horoskop- und Sternzeichenseite mit Anzeigen nebenbei etwas Geld verdienen will.
Hätte ja auch nicht gepasst, dass ein Astrologe hier Werbung macht. Warum aber nur diese ganze Namensvielfalt? Sicher, mir wäre es auch zu peinlich mich als Astrologe auszugeben. Aber auf dem Blog eines Astronomen Astrologiespam betreiben zu wollen ist schon dreist. Noch dazu, wenn es gar kein richtiger Astrologe ist. Wobei ich denke, dass solch eine ‘werbefinanzierter’ Pseudoastrologe noch allemal besser ist als ein ‘Echter’, der seinen Kunden das Geld direkt aus der Tasche zieht. Auf der Horoskopseite läuft hingegen vorwiegende Astrologenwerbung, so dass diese auch noch für die Konkurrenz zahlen müssen, wenn jemand drauf klickt.
Trotzdem, Spam mag ich nicht, noch dazu wenn er so schlecht gemacht ist. Daher denke ich jetzt ernsthaft darüber nach, für derlei Spamkommentare eine Rechnung zu schicken …
Tags: spam, Werbung, Astrologe, Astrologie und Esoterik, Astronomie, Kommentare, Horoskope
Keine Kommentare »
Das muss ich kurz erwähnen: Auf Spiegel Online ist soeben ein wirklich grossartiger Artikel erschienen (ja, man mag das kaum glauben). Jenni Zylka stellt das neue Esoterikmagazin “Happinez” aus dem Heinrich Bauer Verlag vor. Oder besser: nimmt es ausseinander. Absolut lesenswert, mehr muss zu dem Blatt wohl nicht gesagt werden. Eine Kostprobe:
Durch wie viele Glückskekse sich die vom Heinrich Bauer Verlag ausgesuchte und esoterisch instruierte Redaktion sich für einen solchen Haufen wahlweise nichtssagenden oder hanebüchenen Mist wohl mampfen musste, möchte man gar nicht wissen.
Herrlich. Mehr gibt es im Artikel.
Tags: Happinez, heinrich bauer verlag, Spiegel Online, Astrologie und Esoterik, Spitualität
Keine Kommentare »
Es wurde offenbar eine weitere Möglichkeit gefunden, Steuergelder aus dem Fenster zu schmeißen: Arbeitslose können sich mittels Bildungsgutscheinen der ARGE zum Astrologen ausbilden lassen, wie die Hamburger Morgenpost berichtet. Auch Florian Freistätter hat auf seinem Blog Astrodicticum simplex schon öfters über die Entwicklung dahin berichtet, ebenso das Wahrsagercheck Blog. Die Kurse, die laut Morgenpost immerhin 800 Euro pro Monat und Person kosten, werden über Bildungsgutscheine vollständig bezahlt. Ein Kurs dauert mindestens 17 Monate und ist, wenn ich das richtig verstehe, auch als Fernkurs möglich. Veranstalterin ist die Astrologin Helen Fritsch, die in ihrer Astropraxis eine Vielzahl von Lehrgängen anbietet und ausführlich über öffentliche Fördermöglichkeiten informiert.
Mindestens zwei Arbeitslose werden laut Selbstdarstellung der ‘Astro-Praxis’ bereits gefördert. Im Morgenpost-Artikel kommt eine der Auszubildenden zu Wort. Aus Sicht eines Physikers hat sie einen traurigen Lebenslauf: Ein abgebrochenes Physikstudium, dann noch eine abgebrochene Ausbildung zur Ergotherapeutin. Und jetzt landet sie bei der Astrologie. Da sieht man, dass im Physiksudium schon gleich am Anfang Grundlagen der Wissenschaftlichen Methode gelehrt werden müssten. Andererseits, offenbar war sie damals schon gleichermaßen an Astrologie und Astronomie interessiert. Da ist es natürlich kein Wunder, dass sie sich in einem Physikstudium nicht aufgehoben fühlte. Das von George Orwell in ‘1984′ beschriebene Doppeldenk ist gar nicht so einfach umzusetzen. Die andere Auszubildende erzählt:
„Auf die Ausbildung der AstroPraxis hat mich meine Sachbearbeiterin von der Arge aufmerksam gemacht. “
Oje. Das heisst also dass die Astrologie-Ausbildung auch noch beworben wird? Und es hat wohl System, auch die andere weiß über eine Treffen mit ihrer Leistungs-Managerin zu berichten:
„Das Thema Astrologie kam ziemlich früh bei der Begegnung mit ihr zur Sprache. Allerdings war ich es, die skeptisch war, und sie diejenige, die mich in diese Richtung schob, da sie wohl meine Ausrichtung auf diesen Bereich sehr ernst nahm.“
Ich kann mich nur wiederholen: Oje.
Die ‘Ausbildende’-Astrologin Helen Fritsch war offenbar einmal Gymnasiallehrerin, sie hat eine psychotherapeutische Zusatzausbildung. Naheliegenderweise bietet sie Lehrgänge in ‘Psychologischer Astrologie’ an (aber auch in Medizinische Astrologie, was auch immer das dann wieder sein soll). Mir drängt sich wenn ich davon höre immer wieder die Frage auf: Haben Astrologische ‘Lebensberater’ es auf die Schwachen abgesehen, auf Menschen mit Problemen, die sich an jeden noch so realitätsfernen Ast klammern und aus Hoffnung aus Linderung ihr kritisches Denken abschalten? Ich weiß es nicht, vermutlich nicht. Eher denken die meisten Astrologen tatsächlich, dass sie helfen und verfolgen keine bösen Absichten. Die Gefahr aber, in eine Esoterik-Abhängigkeit zu geraten, ist meiner Meinung nach gegeben. Wer psychische Probleme hat, sollte auch von Menschen behandelt werden, die professionell dazu in der Lage sind und die ganze Angelegenheit nicht noch mit esoterischem Ballast, astrologisch formulierten Allgemeinplätzen oder Ab-Erziehen rationalen Denkens verkomplizieren. Ich kann mir vorstellen, dass dabei die Probleme womöglich nicht gelöst, sondern sie nur überdeckt oder von ihnen abgelenkt wird. Dies mag zunächst Linderung bringen, langfristig gesehen halte ich es aber nicht für eine geeignete Therapie.
Als ‘beratender’ Astrologe kann man sich so natürlich auch schnell herausreden, wenn Skeptiker darauf verweisen, dass astrologische Prognosen nicht möglich sind. Es gehe schließlich nicht um Zukunftsdeutungen, sondern um Selbsterkenntnis, Aufzeigen von Charaktertendenzen und Lösungsmöglichkeiten für Probleme. Dass dabei mehr neue Probleme (wie ein Misstrauen in die Wissenschaften und Medizin, da man eine andere Realitätssicht* entwickelt) entstehen können wird ignoriert. Im astrologischen Weltbild sind diese ja ohnehin nicht vorhanden, denn der erhobene Geltungsanspruch wird ja schon bewusst nicht durch Empirie untermauert. Da braucht man nicht über mögliche Paralleluniversen philosophieren, manche Menschen leben offenbar bereits in einem.
Dazu passt ein Zitat von Frau Fritsch in dem Morgenpost-Artikel, das mir besonders gut gefällt:
“Wissenschaftliche Beweise gibt es für unsere Lehre nicht. Aber die gibt es auch nicht für die Existenz Gottes.”
Tja, darum bin ich Atheist. Und es ist nicht nur so, dass es keine wissenschaftlichen Beweise gibt, die Realität von Astrologie ist wissenschaftlich ausgeschlossen. Planeten haben keinen Einfluss auf unseren Charakter. Sternzeichen sind willkürliche Zusammenfassungen von fernen Sonnen am Firmament. Horoskope bestehen aus auf alle irgendwie zutreffenden Barnum-Aussagen, denn Menschen neigen dazu, vage und allgemeingültige Aussagen über sich selbst als zutreffend zu akzeptieren. Der Barnum-Effekt ist übrigens ein Begriff aus der Psychologie … mir kommt da der Gedanke dass eine psychologische Zusatzausbildung für Astrologen tatsächlich Sinn machen könnte.
Der Sprecher der Arge kommt im Morgenpost-Artikel schließlich auch noch zu Wort:
“Bei diesem Berufsbild sind die Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt sehr gut”.
Na großartig, werden wir doch alle Astrologen. Da muss man sich nicht mit so lästigen Kleinigkeiten wie der Realität, Überprüfbarkeit oder konkreten Aussagen beschäftigen. Das Argument ist so gut, man sollte es auch auf andere Branchen anwenden. Vielleicht möchte das Jobcenter ja in Zukunft auch Ausbildungen für weitere profitable Berufszweige anbieten. Hütchenspieler zum Beispiel oder Verkäufer von Luftgitarren. Und schließlich können auch Prostituierte und die Pornoindustrie auf einen stabilen Markt vertrauen. Die Idee ist aber offenbar nicht neu. Bereits jetzt können allerlei ‘Alternativ’-'Medizin’ische** Ausbildungen gefördert werden: Homeopathie, Bachblüten, Traditionelle Chinesische Medizin, Ayuveda (Siehe Kommentare hier). Die können sich aber immerhin auf den Placeboeffekt verlassen. Hilfe zur Selbsttäuschung. Der Staat verarscht uns offenbar auf vielen Ebenen.
Vielleicht aber besinnt man sich auch auf eine gewisse, ich finde sogar moralische, Verantwortung und hört auf, esoterische Schwurbeleien zu finanzieren. Es ist doch lächerlich, wenn der Staat auf der einen Seite die Wissenschaft unterstützt (könnte besser laufen, ja), und auf der anderen Seite die Verbreitung antiwissenschaftlicher Weltsichten bezahlt. Das erinnert mich übrigens an den Vortrag eines Astrologen letztes Jahr in der Bonner Stadtbibliothek, aus Anlass des Internationalen Jahres der Astronomie. Ich weiß allerdings nicht, ob er ein Honorar dafür erhalten hat. Meine diesbezügliche Nachfrage wurde von der Organisatorin mit einem „Jetzt gehen Sie zu weit!“ beantwortet. Ich sollte mal meine Aufzeichnungen heraus kramen und einen Bericht dazu schreiben, da wurde so viel Stuss erzählt dass ich es bis jetzt noch nicht angegangen bin.
Damit man mich nicht falsch versteht: Wer mag, kann ja gerne eine astrologische Ausbildungen machen. Und wer sich Hilfe suchend an Astrologen wendet, tut dies auf eigene Verantwortung, eine Entscheidung, die ich niemandem Absprechen will. Aber die Ausbildung soll dann bitte aus der eigenen Tasche und nicht vom Steuerzahler getragen werden. Sonst könnten wir ja auch anfangen, astrologisch-psychologische Beratungen von den Krankenkassen zahlen zu lassen. Immerhin scheint auch die Bundesagentur für Arbeit die Förderung kritisch zu beurteilen und nicht zu finanzieren. Vielleicht gibt es noch Hoffnung.
*: Vermutlich wäre Irrealitätssicht das bessere Wort.
**: Wo soll ich nur all die Anführungszeichen hernehmen?
P.S.: Das Fernsehmagazin Brisant hat jetzt einen Bericht zu dem Fall gebracht.
Tags: Harz IV, Helen Fritsch, Astrologe, Astrologie und Esoterik, Astrologiekurse, Astrologieausbildung, Astronomie, Horoskope, Physiker, Physik, Pseudo-Wissenschaft, Psychologische Astrologie, Psychologie, Wissenschaft und Spiritualität, Wissenschaft, Wissenschaftliche Methode, Staat, Steuergelder, Arbeitslose, Arbeitslosigkeit
Keine Kommentare »
Wo ich schon mit dem letzten Beitrag beim Thema Kommentare bin, kann ich hiermit auch noch eine neue Rubrik einführen: Kommentaranalysen. Insbesondere auf meine kritischen Beiträge zum Thema: Missbrauch der Quantenphysik durch Esoteriker ziehen immer wieder Kommentare an, die, sagen wir mal, ‘interessant’ sind. Ich werde hier versuchen, typische Punkte herauszuarbeiten. Wenn ich irgendwann eine Sammlung solcher Kommentare habe könnte es interessant sein, darin nach Mustern zu suchen.
Heute soll es um den Kommentar von einem gewissen “Art. 4 GG” gehen. Das ist schon so ein Punkt: Echte Namen oder Identitäten werden selten verwendet, man bleibt anonym. Ausser datürlich, Artikel 4 des Grundgesetzes surft im Internet. Aber das wage ich zu bezweifeln.
Der Kommentar bezieht sich auf einen Nachtrag, zu einem Nachtrag, zur einem Beitrag über eine als wissenschaftsgestützt getarnte Esoterikveranstaltung (oh Mann, das wird langsam kompliziert. Folgt demnächst Nachtrag^3 oder was soll ich machen?). Er ist übrigens auf Deutsch, wie die meisten dieser Kommentare im Blog. Er beginnt damit, auf ein Zitat zu verweisen:
“In keiner freiheitlichen Demokratie wird Diskriminierung wegen der Religion oder Weltanschauung so schamlos betrieben wie in Deutschland”
Dieses stammt von einem ehemaligen Richter am (NRW-)Verfassungsgericht, Martin Kriele. Diese Vorgehensweise kennt man ja ganz gut aus der Szene: Sich auf vermeintliche Autoritäten berufen, um seiner Meinung mehr Gewicht zu verleihen. Leider bin ich gegen sowas immun. Dennoch fand ich es interessant, was ich zu Martin Kriele so alles heraus finden konnte: Ja, er war einmal Richter. Das Zitat stammt aus einem Beitrag in der juristischen Fachzeitschrift ZRP - Zeitschrift für Rechtspolitik. Deren Herausgeber ist zufälligerweise Kriele selbst. Kritik zum Text findet sich auf der Seite der AGPF. Krieles Reaktion auf diese Kritik findet sich auf seiner Homepage und äußert sich vor allem in Angriffen gegen die Person das Autors, die ich für so unverschämt halte, dass ich sie hier weder wiedergeben noch verlinken mag. Kriele ist ferner Unterzeichner der Marburger Erklärung, die den entlarvenden Titel „Für Freiheit und Selbstbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“ trägt. Kurz: Homosexualität sei heilbar. Sein Frau Alexa Kriele ist ‘Engeldolmetscherin’ und war passenderweise erst Anfang diesen Monats (05.01.) bei der ARD-Sendung ‘Menschen bei Maischberger’ zum Thema ‘Seher und Propheten – Geheimwissen oder fauler Zauber?’ zu Gast. Dazu gibt es bei der Frankfurter Rundschau einen schönen Artikel. Hier nur zwei Zitate zur Einstimmung:
Dann wird es für Kriele sehr unangenehm. Die Journalistin Dierbach wirft ihr vor, dass sie in ihrem Buch behaupte, Opfer von Krankheiten seien wegen des reinkarnierten Lebens oft auch Täter, die nur verspätet zur Verantwortung gezogen werden. Laut Dierbach soll das im Buch auch über Aids-Kranke in Afrika gesagt werden. Maischberger bestätigt das.
Kriele ist inzwischen aufgebracht und weist jegliche Kritik fahrig zurück. Schließlich hat sie einiges zu verlieren, ihr Honorar liegt laut Dierbach bei 180 Euro – pro Stunde.
Im EsoBlog gibt es übrigens auch einen Beitrag zur Sendung. Mit Martin Kriele hat dies alles insofern zu tun, als er seine Frau offenbar bei ihrer Tätigkeit unterstützt, Lektor ihrer Bücher war und ein Vorwort geschrieben hat. So kommt er auch auf ihrer Homepage zu Wort.
So. Und jetzt soll ich dieses Zitat noch irgendwie ernst nehmen?
Aber der Kommentar geht ja noch weiter:
Ihre kritischen Anmerkungen sind unschlüssig und eklatant unsubstantiiert und bestätigt Ihre eigene Einschätzung, die Quantenphysik sei für Sie schwer verständlich, denn offenbar sind Sie uninformiert oder de facto intellektuell unfähig, die Erkenntnisse der Quantenphysik richtig zu erfassen.
Autsch. Wenn man das einmal der blumigen Sprache beraubt heißt es doch: Sie haben keine Ahnung oder sind praktisch zu dumm es zu kapieren. Ein direkter Angriff, und zwar persönlich. Kritische Gegenargumente in der Sache werden nicht vorgetragen. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich mit solch einem unkonstruktiven Kommentar umgehen soll. Aber ich denke, er entlarvt eher die Esoteriker, von denen er vorgetragen wird. Oder wie seht Ihr das?
Zur Sache: Ich habe Physik studiert, meinen Abschluss gemacht und promoviere. Der Professor in meiner Prüfung über Theoretische Physik war also offensichtlich anderer Meinung als der Kommentator. Darüber hinaus habe ich mich mit den philosophischen Aspekten der Quantenphysik in meinem Nebenfach beschäftigt. Ich denke schon, dass ich weiß, wovon ich spreche. Daher macht der letzte Teil des Kommentars auch keinen weiteren Sinn:
Kritik aber gegen Weltanschauungen ohne entsprechende vorherige Erkenntnisverschaffung und Bildung über den Gegenstand der Kritik, so wie Sie diese betreiben, reduziert Ihre, von vornherein schon nicht konstruktive, “Kritik” qualitativ aber schließlich auf eine absolut destruktive und diskriminierende Anmaßung mit unbegründet bleibender Feindseligkeit und sollte hinreichend Anlass geben, über vorgenannte Äußerung des Herrn Prof. Dr. Kriele nachzudenken.
Zunächst fällt auf, dass der Satz elend lang ist. Meinen Beitrag noch einmal durchsehend stelle ich außerdem fest: Ich habe nicht einmal das Weltbilder kritisiert, sondern vorrangig die Instrumentalisierung der Quantenphysik durch esoterische Strömungen. Unbegründet ist mein Text erst recht nicht. Das ist offenbar auch typisch: Bloß nicht auf die eigentlichen Punkte eingehen. Achso, über Krieles Äußerung habe ich dann tatsächlich, wie oben ausgeführt, nachgedacht.
Schließlich noch eine entscheidende Eigenart: Da ist der Kommentar noch so unfreundlich, begonnen wird er natürlich mit einem “Sehr geehrter” und abgeschlossen “Mit freundlichen Grüßen”. Darauf hätte ich verzichten können.
PS: Die traurigen Auswirkungen derartiger Veranstaltungen, wie dem Vortrag “Quantenphilosophie und Spiritualität” der letztens in der Handwerkskammer Hamburg stattfand, kann man in diesem Blog eines ‘Betroffenden’ nachlesen….
Tags: AGPF, Alexa Kriele, Maischberger, Marburger Erklärung, Martin Kriele, Engeldolmetscher, Engel, Astrologie und Esoterik, Kommentare, Philosophie, Physik, Quantenphilosophie und Spiritualität, Quantenphilosophie, Quantenphysik, Spitualität, Fernsehen
Keine Kommentare »
Gestern habe ich einen Kommentar zu einem fast acht Monate alten Beitrag erhalten. Dort ging es um eine Veranstaltung namens ‘Quantenphilosophie und Spiritualität’*, die in einem Studentenmagazin beworben wurde. Ich hatte dies kritisiert. Der Kommentator frag mich nun, warum. Da die Antwort etwas ausführlicher und allgemeiner geworden ist, habe ich beschlossen sie als eigenständigen Beitrag einzustellen.
Ich hatte gegen diese Veranstaltung argumentiert, da ich die im Vorfeld geäußerten Behauptungen bereits nicht für korrekt hielt. Dass ‘die Erkenntnisse der Quantenphysik uraltes Wissen der Religionen und Weisheitslehren bestätigen’, ist schlicht und ergreifend nicht richtig. Die Quantenphysik ist leider schwer verständlich und auch allerlei Physiker haben darüber entsprechende Kommentare gemacht, die sich wunderbar für Quote-Mining eignen. Also aus dem Zusammenhang gerissen angebliche mystische Thesen untermauern. Aber: Die Quantenphysik beschäftigt sich mit den kleinsten Bausteinen der Welt. Diese spielen bei dem genannten uralten ‘Wissen’ keine Rolle, da sie völlig unbekannt waren. Und selbstverständlich trifft die Quantenphysik keine Aussagen über Religionen oder Spiritualität, somit kann sie diese gar nicht bestätigen. Es ist doch eher so, dass die Esoterikszene sich gerne mit physikalisch klingendem Vokabular eindeckt, um sich einen Anstrich der Seriosität zu geben. Das ist für mich es schon bezeichnend: Warum brauchen die die Wissenschaft eigentlich, wenn die Esoteriker so sehr von sich überzeugt sind? Die Wissenschaft kommt interessanterweise ohne sie aus und wird ernst genommen.
Nun zum Thema der Begegnung von Wissenschaft mit Spiritualität bzw. Esoterik: Diese sogenannten “Begegnungen” zwischen Wissenschaft und Esoterik zielen, denke ich, stets darauf ab, nicht wissenschaftlich vorgebildeten Menschen zu manipulieren. Dort wird gesagt, dass esoterische Behauptungen von der Naturwissenschaft gestützt werden würden, ohne konkrete Evidenzen vorzulegen und ohne dass die Besucher dies nachprüfen könnten. Dass dieser Schulterschluss zwischen Naturwissenschaft und Esoterik nicht existiert, wird verschwiegen.
Ich wehre mich daher gegen eine Instrumentalisierung der Wissenschaft, oder besser: eines aufgebauten Trugbildes dessen, was die Wissenschaft angeblich behauptet. Das häufig vorgebrachte Argument, dass man doch einfach einmal alles zulassen sollte, entblößt in klarer Weise die Unwissenschaftlichkeit das gänzlich fehlende Verständnis von dem, was die wissenschaftliche Methode ist: Diese versucht eine möglichst genauer Beschreibung der Natur zu erreichen. Das Hauptwerkzeug dabei ist eben gerade die Falsifizierung, das Ausschließen von nicht funktionierenden Ideen. Der Wissenschaft zu raten, doch alles mögliche zuzulassen und auch alternative Ideen gelten zu lassen, kommt somit einer Auflösung von Wissenschaft gleich.
So, und zum Abschluss noch etwas konkreter. Schauen wir uns einmal dieses Beispiel an, zitiert aus dieser Veranstaltungsbeschreibung des EIFAR:
Sie [die Quantenphysik] sagt eindeutig aus, durch mittlerweile unzählige und in allen Kreisen der Wissenschaft anerkannte Experimente, dass der Geist die Materie durchdringt.
Nein, tut sie nicht. Mit Geist hat die Quantenphysik nichts zu tun. Und dementsprechend gibt es auch keine Experimente, die das bestätigen, noch sind diese ‘in allen Kreisen’ anerkannt. Kein Wissenschaftler den ich je getroffen habe, würde das unterstützen. Da wird uns einfach etwas unterstellt, würde ich sagen. Und darum protestiere ich gegen derartige Veranstaltungen. Und dann wird es auch noch beinahe beleidigend:
In ihrem ['Wissenschaftler der Newtonschen Schule'**] mechanischen Universum hat Liebe, Ethik keine Bedeutung. Denn laut ihrer Beschreibung sind wir so etwas wie ein genetischer Fehlgriff, der benutzt wird um es zur nächsten Generation zu schaffen und wir dabei nur zufällig mutieren.
[beide Zitate von der Seite 'http://eifae-akademie.de/pages/posts/quantenphilosophie-und-spiritualitaet11.php', entnommen am 13. Oktober2009 um 2:39 Uhr.]
Das lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert . Der letzte Satz macht ja nicht einmal syntaktisch Sinn.
*: Warum eigentlich sucht jetzt noch jemand nach “Quantenphilosophie und Spiritualität” und landet auf meinem Blog? Kurz nachgesehen: eine solche Veranstaltung, auch von der “Stiftung Rosenkreuz”, gab es offenbar auch am 19. September in Würzburg. Und weitere sind angekündigt, im November in Stuttgart und in Frankfurt, da dann aber über Buddhismus und Christentum und Quantenphysik. Und das sogenannte “EIFAR - Europäisches Institut für angewandte Ethik” hat eine Veranstaltungen dieses Titels im Archiv und eine aktuelle Ankündigung: Ein Seminar zum Thema ‘”Von der Raupe zum Schmetterling” Quantenphilosophie und Spiritualität’. Soso, jetzt also auch noch Biologie? Nein, es geht um Selbstverwirklichung (früher hat man sich einfach gekniffen um sicher zu sein dass man noch da ist und nicht träumt, heute muss man Seminare besuchen). Offenbar ist das ein kommendes Thema, die Esoteriker machen sich schon gegenseitig Konkurrenz.
**: Die stellen hier alte, Newtonsche Wissenschaft und die Neue Wissenschaft, die Quantenphysik, gegenüber. Dieser Unterschied existiert natürlich nicht, alle vernünftigen Physiker akzeptieren die Quantenphysik. Aber ich kann mir vorstellen dass es praktisch ist, diese Unterscheidungsmöglichkeit aufzubauen: Falls mal ein Wissenschaftler kritisch wird bezichtigt man ihn halt, zur ‘Newtonschen Schule’ zu gehören und nicht für die Wissenschaftler an sich sprechen zu können, die natürlich die New-Age Spiritualität allesamt unterstützen.
Tags: EIFAE, New-Age, Newton, Stiftung Rosenkreuz, Astrologie und Esoterik, Buddhismus, Christentum, Physiker, Physik, Quantenphilosophie und Spiritualität, Quantenphilosophie, Quantenphysik, Religion, Skeptisches, Wissenschaft und Spiritualität, Wissenschaft, Spitualität, Vortrag
6 Kommentare »
Eine richtig kurze (und meiner Meinung nach ausreichende, wenn nicht schon überflüssig lange*) Antwort hatte ich ja hier schon gegeben: “Nein!” (Auch wenn der Astrologe bei der Stadtbibliotheks-Veranstaltung zum IYA heute Abend wohl etwas anderes behaupten wird…)
Aber ok, ich will meine Meinung mal kurz erklären.
Niemand zweifelt daran, dass Astronomie und Astrologie einen gemeinsamen Ursprung haben. Vor tausenden von Jahren haben sich die Menschen gefragt, was das denn für seltsame Lichter über ihren Köpfen seien. Sie hatten keine Ahnung, aber egozentrisch wie der Mensch nun einmal ist, gingen sie zur Sicherheit davon aus, das die Lichter irgend etwas mit ihnen und dem täglichen Leben zu tun haben könnten. Die Planeten als “wandernde Sterne” bekamen Namen von Göttern und ihnen wurden Eigenschaften zugesprochen, dem Mars aufgrund der roten Farbe zum Beispiel der Krieg. Einige Leute schafften es, sich als Experten für Himmelsfragen auszugeben und machten Zukunftsvorhersagen. Und ihren Lebensunterhalt.
Dann wurden Teleskope entwickelt. Und einige Menschen fingen an, sie zur Forschung einzusetzten, um mehr über die Welt zu lernen. Sie fanden heraus, dass die Lichter dort oben Sterne und Planeten sind, die Naturgesetzen folgen. Nun, nicht alle bemerkten oder akzeptierten das. Dies führte dann zur Aufspaltung in Astronomen und Astrologen.
Heute ist die Astronomie eine Wissenschaft, Astronomen wenden die wissenschaftliche Methode an und Arbeiten mit gemessenen Daten, statistischen Werkzeugen und rationalen Argumenten. Sie verlangen, dass Theorien überprüfbar sein müssen und werden, wenn durch neue Daten widerlegt, diese auch ablehnen. Astrologen tun das nicht. Man kann also nicht einmal sagen Astronomie und Astrologie verhielten sich zueinander wie Tag und Nacht. Eher wie Tag und Bananenpudding: Es sind zwei völlig unterschiedliche Konzepte, sie haben rein gar nichts miteinander zu tun. Astrologen mögen auch von Planeten und Sternen sprechen, aber eigentlich kümmern sie sich, wie vor Jahrtausenden, nicht darum, was diese eigentlich sind.
So, und dann wird die Frage gestellt, ob Astronomie und Astrologie sich wieder annähern können. Nun, das kann nur auf eine von zwei Arten geschehen:
- Entweder akzeptieren die Astronomen das, was Astrologen so tun. Also auch, dass es irgend eine unheimliche Einwirkung der Gestirne auf unser Leben gibt, die zu analysieren wissenschaftlich nicht möglich ist (da sie nie gefunden wurde). Astronomen könnten dann in astrologischer Manier argumentieren, was dazu führt, dass jeder sein eigenes Glaubenssystem aufstellt und das einzig verbindende die wissenschaftlich klingenden Vokabeln wären. Das würde die Astronomie als Wissenschaft natürlich beenden. Somit käme es aber auch nicht zu einer Annäherung zwischen Astronomie und Astrologie, da erstere sich in diesem Prozess aufgeben müsste.
So, dann gibt es noch die andere Möglichkeit:
- Astrologen könnten endlich die wissenschaftliche Methode akzeptieren. Sie müssten ihre “Arbeit” dann auf messbare, reproduzierbare Erkenntnisse stützen. aber alle vernünftig und fehlerfrei durchgeführten Studien zeigen, dass astrologische Vorhersagen in keinstem Maße signifikant sind. Somit müssten die Astrologen dann akzeptieren, dass was sie tun Nonsens ist. Was natürlich in der Ablehnung und Aufgabe der Astrologie enden muss. Wieder kann es keine Annäherung geben.
Um es zusammen zu fassen: Die grundlegenden Prinzipien auf denen die Wissenschaft der Astronomie und die Geldmacherei der Glauben der Astrologie basieren, führen zu einer gegenseitigen Ausschließung. es besteht einfach nicht die Möglichkeit, die beiden konsistent zusammen zu führen und dabei beide zu erhalten. Wer immer fordert, dass Astronomie und Astrologie sich wieder aneinander annähern sollten, will vermutlich nur die Wissenschaft Astronomie diskreditieren. Denn, meiner rationalen Meinung nach: Die Astrologie ist bloß noch ein schlechter Witz aus vergangenen Zeiten.
*: Ein kopfschüttelndes “Pft.” und Weggehen täten es wohl auch.
Tags: Astrologe, Astrologie und Esoterik, Astronomen, Astronomie, Wissenschaftsphilosophie, Planeten, Pseudo-Wissenschaft, Fragen, Wissenschaft, Wissenschaftliche Methode, Sterngucker, Stern, Statistik, Teleskop
3 Kommentare »

Ich habe gerade eine Ankündigung auf der Seite der Stadt Bonn gefunden: “Bonner Stadtbibliothek greift nach den Sternen “. Aufgrund des Internationalen Jahrs der Astronomie gibt es zahlreiche Veranstaltungen,. Sehr schön, es ist immer gut wenn Wissenschaft für die Allgemeinheit vermittelt wird, und Astronomie ist etwas, das sehr viele Leute interessiert.
Ich habe weiter gelesen:
Vom 23. April bis zum Jahresende stehen 51 Vorträge, Autorenlesungen und Aktionen für Kinder und Erwachsene [...] auf dem Programm.
Super, besonders Aktionen für Kinder machen allen beteiligten bei astronomischen Themen viel Spaß. Zum Auftakt diese Woche spricht am 23.04. (heute!) um 20 Uhr Horst Fichtner zum Thema “Was Rhodan, Kirk & Co nicht bedachten - Science Fiction kontra astronomische Fakten”, was ja nach einem ganz spannenden Ansatz klingt, Wissenschaft nicht so staubtrocken zu vermitteln.
Aber dann:
Bekannte Autoren, Astronomen und Astrologen sind dabei.
WTF? Astrologen für das Internationale Jahr der Astronomie? Warum kapierend die das denn nie?
Zum Glück scheint es sich nur um einen Vortrag zu handeln. Am Donnerstag, den 7. Mai wird um 20 Uhr Ulrich Banse in der Zentralbibliothek sprechen. Zum Thema “Zeitrechnung und Zeitqualität”. Im Programm steht dazu:
Die Position der psychologischen und spirituellen Astrologie am Beginn des dritten Jahrtausends
[...]
Können sich Astrologie und Astronomie wieder annähern? Was ist der Unterschied zwischen astronomischer Zeitrechnung und astrologischer Zeitqualität?
Zu Frage 1: Nein.
Zu Frage 2: Zeitrechnung ist eine objektive Strukturierung der Zeit. Zeitqualität hat mit Zeitwahrnehmung, Zeitgefühl zu tun, ist also subjektiv. Das Adjektiv “astrologisch” davor zu stellen deutet wohl darauf hin, dass diese persönliche Wahrnehmung noch mit irgend was anderem zusammen hängt. Ist interessant die beiden Begriffe so neben einander zu stellen. Ich denke der angestrebte Effekt ist, Astronomie mit der wohl als kühl, sachlich aber unmenschlichen Zeitrechnung zu verknüpfen (die meisten Menschen haben nicht viel Spaß am Rechnen), und im Gegensatz dazu Astrologie mit dem positiv klingenden Zeitqualität (Denn Qualität ist ja immer etwas Gutes, auch wenn wohl kaum einer was mit dem Begriff Zeitqualität selbst anfangen kann. Ich musste auch erst nachsehen.).
Der Herr ist offenbar auch Maya-Kalender Experte und geht zudem auf Numerologie und Quantenphysik ein. Das kann ja ein fröhliches Geschwurbel werde.
Wenn mich nicht alles täuscht ist der Vortrag gratis (umsonst ist er wohl eh ). Gibt es Bonner Skeptiker, die Lust haben hin zu gehen und kritisch nachzufragen?
Tags: horst fichtner, science fiction, Ulrich Banse, Astrologe, Astrologie und Esoterik, Astronomie, Bonn, Bücher, Deutschland, IYA, Maya-Kalender, Maya, Numerologie, Pseudo-Wissenschaft, Quantenphysik, Vortrag, Zeit
5 Kommentare »
Ich hatte ja zuvor schon über diese von mir für pseudowissenschaftlich-esoterisch gehaltene Veranstaltung “Quantenphilosophie und Spiritualität” geschrieben. Dazu habe ich euch noch zwei Updates vorenthalten:
Zum einen hat der Beitrag den ersten unfreundlichen Kommentar auf diesem Blog verursacht. Darüber bin ich äußerst erfreut. Der/die Kommentator(in) nennt sich “Anti Überheblichkeit” und schimpft ein wenig mit mir. Dabei bringt sie/er mich sogar mit dem “gesellschaftlichen Bergabgehen” in Verbindung! Ich freu mich dass auch Menschen mit gegensätzlichen Meinungen das Blog lesen und einige von ihnen sogar den Mut haben, Ihre Auffassung kund zu tun. Leider kam auf meine Antwort bis heute keine Reaktion.
Zweitens: Ich hatte der bAsta, dem Studentenmagazin das eine Werbeanzeige für diese Veranstaltung geschaltet hatte, eine Email geschrieben:
Den Rest des Eintrages lesen »
Tags: Ulrich Warnke, Werbung, Astrologie und Esoterik, Bonn, Wissenschaftsphilosophie, Pseudo-Wissenschaft, Quantenphilosophie, Quantenphysik, Religion, Wissenschaft, Wissenschaftliche Methode, Spitualität, Studenten, Universität Bonn
7 Kommentare »
Ich bin es ja gewohnt über den abstrusesten, esoterischen, pseudo-wissenschaftlichen Nonsens im Web zu stolpern. Aber leider existieren diese Ideen ja auch in der Realität: Ich habe letztens einen Flyer für eine Veranstaltung am 14. Februar gefunden. Hier in Bonn, direkt vor meiner Haustür. Der Titel des von der Stiftung Rosenkreuz (http://www.stiftung-rosenkreuz.de/) organisierten Events: ‘Quantenphilosophie und Spiritualität’. Für die philosophischen Auswirkungen der Quantenphysik interessiere ich mich ja (das war wohl auch der Grund weshalb mir der Flyer ins Auge gefallen ist) aber natürlich auf einer fundierten, wissenschaftlich-philosophischen Basis. Aber der zweite Teil des Titels war natürlich schon ein deutliches Warnsignal (’Spiritualität’) und so war ich auch nicht sonderlich überrascht, als ich mir die gegebenen Informationen genauer ansah.
Der Text auf der Rückseite behauptet dann auch gleich, dass ‘die Erkenntnisse der Quantenphysik uraltes Wissen der Religionen und Weisheitslehren bestätigen’. Das ist dann gleich schon mal in doppelter Hinsicht falsch: Zum einen geht es bei Religion nicht um Wissen, sondern um Glaube, und zum zweiten untermauert die Quantenphysik diesen ganzen Hokuspokus in keinster Weise. Die beiden haben schließlich überhaupt nichts miteinander zu tun. Nur weil in der Quantenphysik zum Teil schwer verständliche Konzepte auftauchen heißt das nicht, dass völlig davon unabhängige, unverständlichen Konzepte der Esoterik-Ecke davon erklärt würden.
Ich vermute daher, dass dies eine der Veranstaltungen sein wird, auf der den Besuchern das erzählt wird , was sie gerne hören, weshalb sie es anschließend auch für bare Münze nehmen. Sozusagen ein ‘Beweis durch Wunschdenken’. Das funktioniert sicherlich besonders gut, wenn viele wissenschaftlich klingenden Wörtern in den Esoterischen Eimer geworfen werden. Gäbe es nicht eine Eintrittsgebühr von 10 Euro und würde ich den Valentinstag nicht lieber mit meiner wundervollen Freundin verbringen, dann hätte ich mir ja überlegt ob ich nicht hingehe und meine Spekulationen überprüfe. Aber andererseits unterstützt eine kurze Websuche nach dem ersten Vortragenden meinen Verdacht bereits zur genüge:
Ich spreche von Dr. Ulrich Warnke. Er scheint eine einigermaßen wichtige Figur in der Esoterikerbranche zu sein. Das EsoWatch Blog hat einen umfangreichen Wiki-Eintrag zu ihm. Demnach ist eine seiner Hauptbeschäftigungen das Erfinden von Synonymen zum Placebo-Effekt. Er hat zu tun mit Geist-Heilung und Heilen durch Skalarwellen (nicht das es die gäbe), vertreibt Elektro-Magnetische Kraftfeld-Therapiegeräte, und so weiter.
Des weiteren kämpft er gegen Mobiltelefone, Elektrosmog im allgemeinen, denkt, das Bienensterben habe mit elektromagnetischen Wellen zu tun und behauptet wohl auch, dass Menschen ohne Essen und Trinken (bzw. mit sehr wenig davon, ‘Lichtfasten’) auskommen können, weil sie eigentlich den Großteil ihres Energiebedarfs über natürliches Sonnenlicht beziehen könnten. Erzähl das mal den Millionen von Menschen, die jedes Jahr verhungern. Die wären sicherlich froh zu hören, dass sie sich nur nackt in die Sonne legen müssten. Sorry für meine Wortwahl, aber: So ein Scheiß kotzt mich tierisch an.
Alles in allem ist er also sehr auf Elektromagnetische Wellen eingeschossen, die er wahlweise als teuflisch verdammt (Elektrosmog, Mobiltelefone, Bienensterben) oder übermäßig lobt (Lichtfasten, Sonnenlicht statt Nahrung).
Und über das alles hinaus (Nein, ich bin noch nicht fertig, der ist ein wirklich kreativer, fleißiger Geist) behauptet er, dass unser Bewusstsein die Realität stabilisiert? Die auf EsoWatch zitierten Passagen seines diesbezüglichen Buchs machen einfach keinen Sinn für einen Physiker. Aber vielleicht hat er ja einfach nur zu viel Star Wars gesehen und hält sich jetzt für einen Jedi-Ritter?
Abschließend will ich auch noch erwähnen, was ich an der ganzen Veranstaltung am schlimmsten finde. An und für sich gibt es derartige Treffen ja oft, aber dieses mal bin ich tatsächlich schockiert. Zwei Tage nachdem ich nämlich den Flyer gefunden hatte saß ich nichtsahnend in der Mensa. Dann fiel mein Blick zufällig auf die am Nachbartisch hoch gehaltene bAsta (diese Ausgabe), eine Publikation des Bonner Astas. Meine Augen sind mir beinahe aus dem Kopf gesprungen: Dort prangte auf beinahe einer halben Seite eine Anzeige, die genau dieses esoterische Weltverquantel Meeting hinwies. Pseudo-Wissenschaft in einem Studentenmagazin! Das macht mich echt krank. Ich hätte vermutet, dass Studenten etwas skeptischer sind. Aber nein, offenbar ist Geld wichtiger und vermutlich hat sich nicht einmal jemand damit beschäftigt, worum es in der Anzeige überhaupt geht. Obwohl es sich wohl laut Mediadaten bloß um 50 Euro handelt. So billig wird wissenschaftliche Integrität verscherbelt. Diese Vorstellung ist mir immer noch lieber, als anzunehmen, dass dort tatsächlich Pseudo-Wissenschaftler oder Esoterik-Spinner in der Redaktion sitzen.
Tags: Ulrich Warnke, Werbung, Astrologie und Esoterik, Bonn, Pseudo-Wissenschaft, Quantenphilosophie, Quantenphysik, Religion, Spitualität, Studenten, Universität Bonn
4 Kommentare »
Heute: angewandter Streisand-Effekt:
Astrologen und Wahrsager überschlagen sich ja gerne zu beginn des Jahrs mit neuen Prognosen, wohl um die vielen im Vorjahr nicht eingetretenen unter den Teppich zu kehren. Ein Archiv ihrer Vorraussagen pflegen wohl dementsprechend auch die wenigsten. Das Wahrsagercheck’s Blog hat für das kommende Jahr einige Vorraussagen zusammengetragen und mit Links auf die Astrologen-Websites und Zitaten belegt. Das ist nötig, weil das Web ja ein recht “flüchtiges” Medium sein kann und Texte plötzlich verschwinden oder geändert werden. (Ist so etwas wie das Gegenteil einer selbsterfüllenden Prophezeiung.)
Jetzt hat ein Astrologe, Malkiel Rouven Dietrich, dem Blogger aber eine Email geschickt in der er ihn auffordert, den Link zu seiner Website “Planetenwelt” zu entfernen, weil eine Verlinkung laut seiner AGB wohl einer vorherigen Genehmigung von Seiten des Astrologen bedarf. Witzig: Ich finde im AGB Text nicht einmal das Wort “Link”. Abgesehen davon ist so etwas total balla-balla: Fragt Google bei jeder Erstellung einer Ergebnisseite vorher bei dem nach?
Aber das ist noch nicht das Beste: Außerdem forderte er (bzw. sein Geschäftspartner?), dass das wörtliche (und als solches gekennzeichnete) Zitat vom Blog genommen werden soll. Er drohte sogar mit seinem “Medienanwalt” und verwies auf das Copyright seiner Texte. Natürlich will hier niemand sein Copyright in Frage stellen (so etwas wird im Internet tatsächlich zu häufig übergangen) aber aus eine im Internet veröffentlichten Publikation wird man wohl schon noch zitieren dürfen. Gelesen werden kann der Text schließlich von jedem. Aber wenn es nach Malkiel Rouven Dietrich ginge, würde seine Site wohl unzitiert und unverlinkt eine einsame Insel im Internet bilden. Vielleicht auch eine Inselkette gemeinsam mit ähnlich gesinnten Weltumdeutern. Ist auf jeden Fall eine einfache Art, einer Überprüfung am Ende des Jahres zu entgehen.
Ich hoffe die Story breitet sich weiter im Web aus. Das GWUP Blog hat bereits einige Links zu anderen Bloggern gesammelt.
Übrigens: Malkiel Rouven Dietrich bevorzug sich selbst “Lestat” zu nennen. Möglicherweise nach einem fiktiven Charakter Lestat de Lioncourt? Der ist zufälligerweise Vampir ist, ein Blutsauger also. Wenn ihr mich fragt: eine schöne Metapher.
via Skeptic as Hell.
Tags: Astrologe, Astrologie und Esoterik
7 Kommentare »
|