Gestern habe ich einen Kommentar zu einem fast acht Monate alten Beitrag erhalten. Dort ging es um eine Veranstaltung namens ‘Quantenphilosophie und Spiritualität’*, die in einem Studentenmagazin beworben wurde. Ich hatte dies kritisiert. Der Kommentator frag mich nun, warum. Da die Antwort etwas ausführlicher und allgemeiner geworden ist, habe ich beschlossen sie als eigenständigen Beitrag einzustellen.

Ich hatte gegen diese Veranstaltung argumentiert, da ich die im Vorfeld geäußerten Behauptungen bereits nicht für korrekt hielt. Dass ‘die Erkenntnisse der Quantenphysik uraltes Wissen der Religionen und Weisheitslehren bestätigen’, ist schlicht und ergreifend nicht richtig. Die Quantenphysik ist leider schwer verständlich und auch allerlei Physiker haben darüber entsprechende Kommentare gemacht, die sich wunderbar für Quote-Mining eignen. Also aus dem Zusammenhang gerissen angebliche mystische Thesen untermauern. Aber: Die Quantenphysik beschäftigt sich mit den kleinsten Bausteinen der Welt. Diese spielen bei dem genannten uralten ‘Wissen’ keine Rolle, da sie völlig unbekannt waren. Und selbstverständlich trifft die Quantenphysik keine Aussagen über Religionen oder Spiritualität, somit kann sie diese gar nicht bestätigen. Es ist doch eher so, dass die Esoterikszene sich gerne mit physikalisch klingendem Vokabular eindeckt, um sich einen Anstrich der Seriosität zu geben. Das ist für mich es schon bezeichnend: Warum brauchen die die Wissenschaft eigentlich, wenn die Esoteriker so sehr von sich überzeugt sind? Die Wissenschaft kommt interessanterweise ohne sie aus und wird ernst genommen.

Nun zum Thema der Begegnung von Wissenschaft mit Spiritualität bzw. Esoterik: Diese sogenannten “Begegnungen” zwischen Wissenschaft und Esoterik zielen, denke ich, stets darauf ab, nicht wissenschaftlich vorgebildeten Menschen zu manipulieren. Dort wird gesagt, dass esoterische Behauptungen von der Naturwissenschaft gestützt werden würden, ohne konkrete Evidenzen vorzulegen und ohne dass die Besucher dies nachprüfen könnten. Dass dieser Schulterschluss zwischen Naturwissenschaft und Esoterik nicht existiert, wird verschwiegen.

Ich wehre mich daher gegen eine Instrumentalisierung der Wissenschaft, oder besser: eines aufgebauten Trugbildes dessen, was die Wissenschaft angeblich behauptet. Das häufig vorgebrachte Argument, dass man doch einfach einmal alles zulassen sollte, entblößt in klarer Weise die Unwissenschaftlichkeit das gänzlich fehlende Verständnis von dem, was die wissenschaftliche Methode ist: Diese versucht eine möglichst genauer Beschreibung der Natur zu erreichen. Das Hauptwerkzeug dabei ist eben gerade die Falsifizierung, das Ausschließen von nicht funktionierenden Ideen. Der Wissenschaft zu raten, doch alles mögliche zuzulassen und auch alternative Ideen gelten zu lassen, kommt somit einer Auflösung von Wissenschaft gleich.

So, und zum Abschluss noch etwas konkreter. Schauen wir uns einmal dieses Beispiel an, zitiert aus dieser Veranstaltungsbeschreibung des EIFAR:

Sie [die Quantenphysik] sagt eindeutig aus, durch mittlerweile unzählige und in allen Kreisen der Wissenschaft anerkannte Experimente, dass der Geist die Materie durchdringt.

Nein, tut sie nicht. Mit Geist hat die Quantenphysik nichts zu tun. Und dementsprechend gibt es auch keine Experimente, die das bestätigen, noch sind diese ‘in allen Kreisen’ anerkannt. Kein Wissenschaftler den ich je getroffen habe, würde das unterstützen. Da wird uns einfach etwas unterstellt, würde ich sagen. Und darum protestiere ich gegen derartige Veranstaltungen. Und dann wird es auch noch beinahe beleidigend:

In ihrem ['Wissenschaftler der Newtonschen Schule'**] mechanischen Universum hat Liebe, Ethik keine Bedeutung. Denn laut ihrer Beschreibung sind wir so etwas wie ein genetischer Fehlgriff, der benutzt wird um es zur nächsten Generation zu schaffen und wir dabei nur zufällig mutieren.

[beide Zitate von der Seite 'http://eifae-akademie.de/pages/posts/quantenphilosophie-und-spiritualitaet11.php', entnommen am 13. Oktober2009 um 2:39 Uhr.]

Das lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert ;-) . Der letzte Satz macht ja nicht einmal syntaktisch Sinn.

*: Warum eigentlich sucht jetzt noch jemand nach “Quantenphilosophie und Spiritualität” und landet auf meinem Blog? Kurz nachgesehen: eine solche Veranstaltung, auch von der “Stiftung Rosenkreuz”, gab es offenbar auch am 19. September in Würzburg. Und weitere sind angekündigt, im November in Stuttgart und in Frankfurt, da dann aber über Buddhismus und Christentum und Quantenphysik. Und das sogenannte “EIFAR - Europäisches Institut für angewandte Ethik” hat eine Veranstaltungen dieses Titels im Archiv und eine aktuelle Ankündigung: Ein Seminar zum Thema ‘”Von der Raupe zum Schmetterling” Quantenphilosophie und Spiritualität’. Soso, jetzt also auch noch Biologie? Nein, es geht um Selbstverwirklichung (früher hat man sich einfach gekniffen um sicher zu sein dass man noch da ist und nicht träumt, heute muss man Seminare besuchen). Offenbar ist das ein kommendes Thema, die Esoteriker machen sich schon gegenseitig Konkurrenz.

**: Die stellen hier alte, Newtonsche Wissenschaft und die Neue Wissenschaft, die Quantenphysik, gegenüber. Dieser Unterschied existiert natürlich nicht, alle vernünftigen Physiker akzeptieren die Quantenphysik. Aber ich kann mir vorstellen dass es praktisch ist, diese Unterscheidungsmöglichkeit aufzubauen: Falls mal ein Wissenschaftler kritisch wird bezichtigt man ihn halt, zur ‘Newtonschen Schule’ zu gehören und nicht für die Wissenschaftler an sich sprechen zu können, die natürlich die New-Age Spiritualität allesamt unterstützen.


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6 Antworten zu “Quantenphilosophie und Spiritualität: Ein Nachtrag zum Nachtrag”
  1. Marco sagt:

    Hallo,

    ich finde es wirklich gut, dass du Kritik aufgreifst, die sich auf die die Quantenphysik bezieht. Genau die Instrumentalisierung von Wissenschaft macht mir nämlich auch zu schaffen. Und dies wird häufig im universitären Bereich gemacht, wenn nicht sogar zeitweise auch in Schulen, d.h. es beginnt schon viel früher eine Meinungsbildung, die zu sehr auf bestimmte Aspekte ausgerichtet ist, ohne dabei auch weitläufig andere Meinungen/Blickwinkel zu betrachten.
    Deshalb: Kompliment für deinen Beitrag.

    Gruß
    Marco

  2. Dirk sagt:

    Leider liefert der Autor dieses Textes (Marcel) auch keine Argumente und verschanzt sich hinter Aussagen wie ” Kein Wissenschaftler den ich je getroffen habe, würde das unterstützen.”
    Damit verhält er sich keine Deut besser wie die Veranstalter Von “Quantenphysik und Philosophie.” Daß er keine Physiker kennt, die die These von der Wechselwirkung von Bewußtsein (bzw. Geist) und Geist unterstützen, heißt noch lange nicht, daß es solche nicht gibt.
    Hier mal ein paar Beispiele: Wigner, Dürr, Stapp, Goswami, Lothar Schäfer, Nesteruk u.s.w.

    Mich hätte mal interessiert, wie der Autor das Beobachtungs- bzw. Meßproblem in der Quantenphysik (z.B. bei Doppelspalt oder EPR) sieht und welche Interpretation der Quantenphysik er bevorzugt, um das Bewußtsein bzw. den Beobachter aus dem Meßprozeß herauszuhalten.

  3. Dirk sagt:

    sorry, sollte natürlich “Quantenphilosophie und Spiritualität” statt “Quantenphysik und Philosophie” heißen.

    Gruß,
    Dirk

  4. Marcel sagt:

    Hallo Dirk,

    ich habe momentan nicht wirklich Zeit, mich dieses Themas erneut anzunehmen. Aber von keine Argumente’ würde ich nicht sprechen. In erster Linie liegt die Beweislast aber bei den Esoterikern. Diese behaupten fröhlich und misbrauchen die Wissenschaft für ihre Aussagen, ohne je konkret zu werden und ihre Behauptungen wissenschaftlich (also überprüfbar) zu formulieren. Und wo sie überprüfbar sind, werden Falsifikationen ignoriert.

    Sicherlich gibt es Physiker die alles mögliche glauben. Es gibt auch welche in rechtsextremen Parteien und letztens habe ich eine gefunden, die nun mit Engelsheilungen Geld verdient. Was ich vielmehr sagen wollte ist, dass die genanten esoterischen Behauptungen eben nicht von ‘den Physikern an sich’ unterstützt wird, also nicht von der Physik untermauert ist, obwohl dieses behauptet wird.

    Über meine Sicht auf das Meßproblem kann ich gerne mal etwas schreiben. Erinnere mich ruhig nochmal daran, wenn im nächsten Monat nichts kommt.

  5. Art. 4 GG sagt:

    Sehr geehrter Verfasser Marcel,

    zu Ihren Anmerkungen möchte ich verweisen auf:

    Prof. Dr. jur. Kriele, Richter am Verfassungsgerichtshof a.D. in: ZRP 2001, 495 ff.:

    “In keiner freiheitlichen Demokratie wird Diskriminierung wegen der Religion oder Weltanschauung so schamlos betrieben wie in Deutschland”.

    Ihre kritischen Anmerkungen sind unschlüssig und eklatant unsubstantiiert und bestätigt Ihre eigene Einschätzung, die Quantenphysik sei für Sie schwer verständlich, denn offenbar sind Sie uninformiert oder de facto intellektuell unfähig, die Erkenntnisse der Quantenphysik richtig zu erfassen.

    Kritik aber gegen Weltanschauungen ohne entsprechende vorherige Erkenntnisverschaffung und Bildung über den Gegenstand der Kritik, so wie Sie diese betreiben, reduziert Ihre, von vornherein schon nicht konstruktive, “Kritik” qualitativ aber schließlich auf eine absolut destruktive und diskriminierende Anmaßung mit unbegründet bleibender Feindseligkeit und sollte hinreichend Anlass geben, über vorgenannte Äußerung des Herrn Prof. Dr. Kriele nachzudenken.

    Mit freundlichen Grüßen

  6. Marcel sagt:

    (Ausführlicher gehe ich auf Ihren Kommentar hier ein: http://8minutesold.com/?p=182&langswitch_lang=de)

    Ach herrje, das meinen Sie doch wohl selbst nicht ernst, hoffe ich mal:

    Ihren feinen Herrn Martin Kriele kann ich nicht für voll nehmen: Ehemaliger Richter, der haltlose Vorwürfe erhebt, extremer Katholik wird, Homosexualität für heilbar zu halten scheint und seine Frau Alexa Kriele bei ihrer Tätigkeit als ‘Engeldolmetscherin’ unterstützt.
    Dann gehen Sie in keiner Weise auf meinen Text ein. Wie wäre es Sie würden ihre Anschuldigungen mal untermauern, dann kann ich mich vielleicht für Sie verständlicher ausdrücken.
    Schwer verständlich heißt übrigens nicht, dass man die Quantenphysik nicht durchaus verstehen kann. Sie wird zwar nicht im Kindergarten gelehrt, aber mit einem Physikstudium (und zusätzlichen Seminaren zur philosophischen Auswirkungen) ist man ganz gut dabei. Haben Sie das schon einmal versucht?
    Ferner greife ich in meinem Text ja nicht einmal eine Weltanschauung an, sondern den Missbrauch der Quantenphysik als angebliche Untermauerung durch die Wissenschaft.
    Was wollen Sie mir also eigentlich sagen? Oder geht es nur darum, mir die Schaufel weg zu nehmen und mich mit Sand zu bewerfen (womit wir wieder beim Kindergarten wären)?

    Achso, und noch eine Frage: Wenn Sie mich schon als ahnungslos und blöde (jmit gewählteren Worten) beschimpfen, wozu dann noch die Form wahren mit “Sehr geehrter” und “freundlichen Grüßen”? Letztere nehme ich ihnen nicht so ganz ab, wissen Sie. ;-)

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