Liebe vs. Kirche: 1:0
Geschrieben von: Marcel in Allgemeines, Philosophie, Religion, Wissenschaft
Der Bonner Professor Michael Schulz will heiraten. Das habe ich ja auch erst vor kurzem getan (und noch nicht bereut
), darum finde ich diese Entscheidung schön und gratuliere dazu. Aber warum schreibe ich eigentlich darüber? Nun, ich bin nicht der einzige der darüber schreibt.
Der Grund: Schulz ist Professor für Katholische Theologie. Experte für Dogmatik*. Sogar Dekan der katholisch-theologischen Fakultät und wurde vor kurzem zum Mitglied der katholischen Theologiekommision des Vatikans berufen. Und daher an ein Leben in “Priesterlicher Ehelosigkeit” gebunden. Die Liebe war nun wohl stärker.
Daher wurde er umgehend von Kardinal Karl Lehman, in dessen Diözese Mainz er Priester war, vom Priesteramt suspendiert. Und nicht nur das. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner, zuständig für die Bonner Fakultät, wird dem Wissenschaftsminister Nordrhein-Westfalens, Andreas Pinkwart, einen “einen schweren oder ärgerlichen Verstoß” gegen den Priesterlichen Lebenswandel des Professors anzeigen. Man könnte jetzt meinen: soll er doch. Aber unglücklicherweise hat dies tatsächlich Auswirkungen. Es gibt da nämlich diesen Vertrag, das so gennante ‘Preußenkonkordat‘. Der ist inzwischen 80 Jahre alt (von 1929) und ursprünglich abgeschlossen zwischen der preußischen Regierung und dem heiligen Stuhl**. Offenbar hat sich nie jemand darum gekümmert eine neue Regelung zu treffen, der Vertrag noch immer gültig. Und laut diesem verliert der Professor seine Lehrerlaubnis und muss ersetzt werden:
Sollte ein einer katholisch-theologischen Fakultät angehöriger Lehrer in seiner Lehrtätigkeit oder in Schriften der katholischen Lehre zu nahe treten oder einen schweren oder ärgerlichen Verstoß gegen die Erfordernisse des priesterlichen Lebenswandels begehen, so ist der zuständige Bischof berechtigt, dem Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hiervon Anzeige zu machen. Der Minister wird in diesem Fall, unbeschadet der dem Staatsdienstverhältnis des Betreffenden entspringenden Rechte, Abhilfe leisten, insbesondere für einen dem Lehrbedürfnis entsprechenden Ersatz sorgen.
(Schlußprotokoll zu Zu Artikel 12 Absatz 1 Satz 2 des Preußenkonkordat)
Allerdings ist er immer noch verbeamteter Professor, verliert also wenigstens nicht seine Anstellung. Nur was macht die Universität jetzt mit einem Katholischen Theologen, der aus seiner Fakultät geschmissen werden muss? Sie überlegt ihn bei den Philosophen unterzubringen. Gut, ich bin auch der Meinung dass er, nur weil er heiraten will und diese völlig sinnfreie Zölibatsgeschichte nicht mehr mitmacht nicht seinen Job verlieren darf. Ich finde es aber nicht besonders schön dass diese kirchliche Forderung im Endeffekt der Universität Geld kostet (wie ich vermute, genauere Informationen habe ich dazu nicht gefunden), denn sie muss ja für Ersatz sorgen, den Professor aber weiterhin beschäftigen. Eigentlich ist es ein Witz, dass der Staat sich dermaßen von der Kirche beeinflussen lässt. Noch dazu mit einem uralten Vertrag. Der Wissenschaftsminister bekommt von der Kirche gesagt was er zu tun hat. Weil ein Professor eine höchst private Entscheidung getroffen hat. Lächerlich.
Es ist an der Zeit, Kirche und Staat auch in Deutschland effektiv zu trennen.
*: Toll was es so alles gibt, nicht? Spontan erscheint mir das als der Gegenpol schlechthin zum Wissenschaftler, aber vielleicht habe ich ja auch keine Ahnung…
**: Heilige Scheiße, wie kann eigentlich ein Möbelstück Verträge eingehen?






























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Ganz ganz schwieriges Thema.
Als selbst nicht-religiöser Mensch kann ich diese Thematik (heiraten oder nicht) ansich schon nicht verstehen, ABER ich finde, dass es jedem selbst überlassen ist, in welche Kreise er eintritt. Wenn der gute Mann sich also für diese Laufbahn entschlossen hat, dann wusste er, was er darf oder auch nicht. Und auch wenn wir die Regeln des katholischen Glaubens nicht immer (sogar nur höchst selten) verstehen, bin ich dennoch der Meinung, dass wer sich ihnen anschließt, diese auch achten sollte. Oder sonst eben mit den Konsequenzen leben muss.
Dazu gehört auch der Staat, der diesen Vertrag mittragen muss. Wer, wenn nicht unsere Minister, könnten diesen Zuständen entgegen treten? Wenn sie es nicht tun - selbst schuld. Aber letztlich zahlt es der Steuerzahler, daher kann ich diesen Punkt zumindest guten Gewissens unterstreichen.
Und mal ab von diesem Thema:
ich mag Deine Beiträge zum Thema Religion sehr. Eins meiner Hobbys ist tatsächlich Religion und die Auswirkungen auf den Menschen. Meist geht es mir auch um die katholische Kirche, aber auch die Protestanten sind immer mal dabei. Andere Bereiche eher nicht, aber das liegt auch daran, dass ich mich viel mit der Zeit von 800 bis ca. 1500 befasse. Da gehört der religiöse Aspekt nun mal dazu und es ist erstaunlich was heute noch so alles existiert, was damals seine Gründung hatte (siehe Inquisition (damaliger Begriff) = Kongregation für die Glaubenslehre (heutiger Begriff)).
Weiter so…
Ja, ist ein schwieriges Thema. Und natürlich muss jeder, der sich in dieses Regelgeflecht begibt, die Konsequenzen seines Handelns selbst tragen. Ich finde es aber schön, dass sich manche dann bewusst gegen die Regeln entscheiden, da ich sie für Quatsch halte. Ist vielleicht so etwas wie Schadenfreude.
Ich kapiere nur nicht dass der Staat sich von diesen Regeln vorschreiben lässt was er zu tun und zu zahlen hat. Aber ich habe natürlich auch kein ausgeprägte Traditionsbewusstsein und Religion ist ja bekanntermaßen auch nicht meins …
Achso, und danke für dein Statment, das motiviert mich weiter zu machen. Religion ist schon ein interessantes Thema, mich fasziniert es vor allem weil ich vieles daran einfach nicht nachvollziehen kann.
Religion ist wirklich spannend, finde ich auch. Eben genau deswegen, weil es so oft so bekloppt ist, was da vorgegeben wird, aber dennoch so viele Menschen dem Mist hinterher rennen.

Ich hab eben mal wieder ein Hörbuch gehört, was ich auch als echtes Buch habe:
Michael Baigent & Richard Leigh - Als die Kirche Gott verriet
Das ist klasse, weil man da so viel Background zu Punkten bekommt, die man so nicht erkennen kann, wenn man nicht mitten drin steckt. Vielleicht macht es Dir ja auch Spaß.
Und Richard Dawkins “Gotteswahn” ist auch gut geschrieben. Kann ich ebenfalls empfehlen.
Baigent & Leigh kenne ich nicht, das schau ich mir mal an. Den ‘Gotteswahn’ hab ich gelesen (die Englische Version), war interessant und teilweise erschreckend. Ich kann noch ‘Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren’, von Hubert Schleichert empfehlen, ich habe es positiv in erinnerung, ist aber schon ein paar Jährchen her. Ob das aktuell noch zu haben ist weiß ich gerade nicht.
Das scheints zumindest bei Amazon noch zu geben, aber ich werde mal in nem Buchladen reingucken. Bei solchen Büchern ist der Stil auch immer entscheidend, ob man es gut lesen kann oder nicht.
Aber mir ist noch eins eingefallen, was mitunter echt lustig ist. “Lexikon der biblischen Irrtümer”. Wenn Du Freunde hast, die sich auch ein bißchen mit dem Thema beschäftigen oder solche kennst, die Du gerne mal schocken magst, dann besorg Dir das. Da stehen völlig abstruse Irrtümer, falsche Berechnungen, gegensätzliche Aussage usw. drin, bei denen man z.T. laut lachen muss, wenn man das liest. Kurzweilig und unterhaltsam.
Ja, man muss nicht nur den Inhalt interessant finden, sehr wichtig ist auch die Darstellung, also vor allem der Stil. Das ist ja das schöne an den noch real existierenden Buchläden: man kann richtig reingucken bevor man was kauft.
Das Lexikon klingt vielversprechend, aber wenn ich mir ansehe was der Autor, Walter-Jörg Langbein, sonst so geschrieben hat überleg ich mir nochmal ihn finanziell zu unterstützen …
Für mich macht es den Eindruck dass er auf allerhand pseudo- und parawissenschaftliche Vorstellungen steht. Beziehungsweise weiß, wie man mit diesen menschlichen Vorstellungen gut Geld machen kann. Mir fällt auf dass sogar die Abfolge der Publikationen der wechselnden popularität dieser Themen in der Vergangenheit entspricht, soweit meine Erinnerung mich nicht täuscht: 2012 und Maya, Da-Vinci Code, Nostradamus, Aliens.
Oh Gott….ja……ich hab mir das jetzt mal genauer angesehen und bin etwas erschrocken.
Der schreibt ja echt viel Mist, bzw. kann das ja auch alles recherchiert sein, aber in Summe wirkts eher wie eine Sammlung von Hr. von Dänikens Werken.
Man (also ich) sollte sich vielleicht mehr Hintergrundinfos zu den Schreiberlingen ran holen, bevor man (ich) die kauft. Und vor allem in anderer Leute Blogs weiterempfiehlt.
Naja, mir passiert das auch. Das ist halt wiederum der Nachteil von echten Buchläden: man kann nicht einfach nachsehen was der Autor/die Autorin sonst noch schreibt.
Ich schätze mal das wird noch eine zeitlang dauert, bis beides so getrennt ist wie es die Verfassung vorschreibt.