Archiv für die Kategorie: “Ausstellungsbericht”
Es ist entspannend, mal wieder klassische Fotografie zu betrachten. All das Geschrei im Internet, nach den neuesten Kameramodellen, den angesagtesten Aufnahmetechniken und den beeindruckendsten Photoshopbearbeitungen verstummt, wenn man die Fotoausstellung „Licht Gestalten“ betritt. Die Ausstellung um Rheinischen Landesmuseum in Bonn zeigt Fotografien von Konrad Rufus Müller, aus den Jahren 1960 bis heute. Sie sind ausnahmslos in schwarz-weiß, analog und von Müller selbst in seiner Dunkelkammer abgezogen. Er arbeitet offenbar bis heute mir einer Mittelformatkamera von 1975. Und nur mit natürlichem Licht. Dennoch ist er erfolgreich, wird in vielen namenhaften Magazinen (z.B. Stern und Zeit) veröffentlicht.
Konrad Rufus Müller fotografiert vor allem Portraits. Hauptsächlich Politiker. Nicht umsonst wird er häufig als „der Kanzlerfotograf“ bezeichnet. Seit Konrad Adenauer hat er sämtliche Bundeskanzler der Republik fotografiert. Und auch viele andere Politiker und Personen der Zeitgeschichte. Hin und wieder geben kleine Texte einen Einblick, wie es zu einigen der Aufnahmen gekommen ist. Hier sieht man deutlich: Kontakte und Empfehlungen sind ein sehr effektiver Zugangsweg. Hinzu kommt noch, dass Müller den Abgebildeten auf Augenhöhe begegnet, nicht von der Macht beeindruckt, aber auch nicht bloßstellend. Er versteht sich dabei nicht als Journalist, sondern als Künstler oder vielleicht als Chronist. So hat er auch Malerei studiert und so ist die Ausstellung auch durch andere Motive angereichert: Stillleben und Landschaften.
Die Hängung der Bilder in der Ausstellung ist alphabetisch strukturiert, dem Namen der oder des Abgebildeten folgend, nicht chronologisch. Bei Konrad Rufus Müller funktioniert das. Wie seine Technik ist auch sein Aufnahmestil offenbar zeitlos, man kann fast sagen, dass eine zeitliche Entwicklung seines Stils nicht deutlich erkennbar ist. Das mag aber auch an der nicht-chronologischen Abfolge der Fotografien liegen.
Alles in allem eine sehr angenehme und interessante Ausstellung die zeigt, dass es nicht entscheidend ist, jedem Trend nachzueifern. Vielmehr muss man als Fotograf und Künstler seinen ganz eigenen Weg finden und diesen dann konsequent verfolgen.
Die Fotoausstellung „Konrad Rufus Müller. LICHT GESTALTEN - Fotografien von 1960 – 2010“ ist noch bis zum 30.05.2010 im Rheinischen Landesmuseum in Bonn zu sehen. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, welcher mit über 400 Fotografien deutlich mehr von Konrad Rufus Müllers Werk zeigt als die Ausstellung. Der Preis ist dementsprechend allerdings auch umfangreich: 58 Euro.
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Heute und morgen (1. und 2. August) besteht in Köln die Gelegenheit, die sogenannte Physikshow zu besuchen. Diese wird von Studenten der Universität Bonn geplant und durchgeführt. Sie kann inzwischen auf eine mehrjährige, erfolgreiche Tradition zurückblicken, so wurde sie beispielsweise schon nach Berlin eingeladen.
Anlässlich der Mond-Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum in Köln haben sich die Studenten nun ein spezielles Mond-Programm ausgedacht: “2009 Mond-Odyssee”. Anhand einer spannenden Geschichte werden unterhaltsame Physikalische Experimente für Groß und Klein vorgeführt. Die Show findet im Foyer des Museums statt, der Eintritt ist frei und die Mond-Ausstellung muss somit auch nicht parallel besucht werden. Ich persönlich lege dies aber jedem ans Herz, denn sie Ausstellung ist schön und interessant gestaltet. Insbesondere ist sie eine der vergleichsweise wenigen Veranstaltungen, die das Internationale Jahr der Astronomie (IYA) auch von einer künstlerischen, nicht nur von der wissenschaftlichen Seite behandelt.
Wer dieses Wochenende keine Zeit hat: keine Sorge, die Physikshow verpasst ihr nicht so leicht. Denn am Samstag den 29.08. und am Sonntag den 30.08. gibt es je eine weitere Vorstellung (Einlass ab 13 Uhr), dann aber in der Aula der Universität Bonn. Dann zwar inhaltlich nicht speziell auf die Mond-Ausstellung abgestimmt, aber spannend, interessant und lehrreich ist die Physikshow allemal.
Nochmal zusammengefasst:
Physikshow zur Mond-Ausstellung: 2009 Mond-Odyssee
Sa. 1. und So. 2. August
um 12, 14 und 16 Uhr
Im Foyer “Stiftersaal” des Wallraf-Richartz-Museums (Obenmarspforten, am Kölner Rathaus)
Eintritt kostenlos, aber nur circa 5 Minuten vor Beginn der Show.
Die Ausstellung “Mond”
In der Ausstellung wird ein weiter Bogen gespannt, bei dem die künstlerische (bildliche) Darstellung des Mondes vom Mittelalter bis in die Gegenwart aufgezeigt wird. Bei den Exponaten handelt es sich vor allem um Gemälde (unter anderem von Albrecht Dürer und Caspar David Friedrich), aber auch Plastiken, Fotografien, Mond-Modelle und sogar wissenschaftliche Instrumente sind zu sehen. Kommt der Mond in den Gemälden noch vorwiegend als Lichtquelle und recht konturlose Scheibe zum Einsatz, so ändert sich dies mit der Erfindung leistungsfähiger Teleskope. Es werden präzise Zeichnungen der Mondoberfläche angefertigt, die dann nach der Erfindung der Fotografie von nochmals genaueren Abbildungen abgelöst werden. Besondes spannend fand ich aber die aktuellen foto-künstlerischen Positionen zum Thema Mond: Sharon Harper’s “Moon Studies and Star Scratches” (Vertreten durch die Galerie Stefan Röpke, dort gibt es online noch mehr Bilder zu sehen), die mit großformatigen Mehrfach- und Langzeitbelichtungen des Nachthimmels und Mondes in Sichel- oder Scheibenform spielen. In einem Extraraum gibt es ein beeindruckendes Panorama, dass fotografisch in einem einzigen Bild eine märchenhafte Mondreise und die dort angetroffene Mondkultur darstellt. Es und (die gesamte damit zusammenhängende Installation) trägt den Titel “Moon-Prophecies” und stammt vom britischen Künstlerduo Nicholas Kahn und Richard Selesnick. Oh, und hier findet man im Web noch mehr, auch das angesprochene Panorama in Einzel-Panoramen (im Museum ist es ein einziges Bild mit vielen Metern Länge).
Als ich mir die Ausstellung angeschaut habe hatten übrigens die Kinder aus mehreren Schulklassen, die ebenfalls dort waren, großen Spaß. Also ist nicht nur die Show, sondern auch die Ausstellung selbst für Kinder zu empfehlen. Zumal es spezielle Tafeln mit kinder-gerechten Erläuterungen gibt.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 16. August, also nicht lange zögern, sondern hingehen!
Tags: Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich, Moon Studies and Star Scratches, Moon-Prophecies, Nicholas Kahn, Richard Selesnick, Sharon Harper, Wallraf-Richartz-Museum, Astronomie, Köln, Ausstellung, Deutschland, IYA, Monde, Mond, Museum, Gemälde, Fotoausstellung, Physikshow, Physik, Wissenschaft, Teleskop, Universität Bonn
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Wie in meinem Beitrag zur MAGNUM’S first Ausstellung versprochen ist dies mein Bericht über die William Eggleston Ausstellung “Democratic Camera - Fotos und Video, 1961 - 2008” im “Haus der Kunst” in München. Ich werde auf die Fotos beschränken.
Die Ausstellung wurde kuratiert von Elisabeth Sussmann und Thomas Waski. Sie war zuvor im Whitney Museum of American Art in New York zu sehen, das die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kunst in München organisiert hat.
Die Ausstellung in München erstreckt sich über mehrere Säle im ersten Stock des Gebäudes. Beginnend mit frühen Arbeiten in schwarz-weiß zeigt sich zunächst den Einfluss Henry Cartier-Bressons auf Egglestons Arbeitsweise, vor allem bedingt durch HCBs Buch “Der entscheidende Moment”.
Egglestons Bilder wechseln jedoch schnell zu Farbdarstellungen. Mit dem Dye-Transfer-Prozess, damals von Kodak angeboten, konnte er zuvor nicht da gewesene, kräftige und leuchtende Farben erzielen. Ganz im Kontrast zu den schwarz-weiß Fotos, aber mir gefällt es dennoch. Er hat ein Auge für Farben, Töne und großes Geschick, sie im Bild anzuordnen. Aber seine Bilder sind nicht gestellt, sie sind gefunden und weisen einen Schnappschuss-Stil, den Eggleston bewusst verwendet. Denn die Bilder haben mehr an sich als übliche Schnappschüsse. Sie interagieren mit dem, was sich außerhalb des gezeigten Bildausschnitts befindet und weisen auf eine Geschichte hin, die vielleicht erst im Kopf des Betrachters entsteht. Man spürt oft ein diffuses Gefühl der Unsicherheit oder sogar drohender Gefahr und Gewalt. Als Beispiel sei das Bild eines Junge in einem leuchtenden roten Pullover neben einer Straße vor einem dunklen Himmel genannt (Platte 80).
Es gibt viele verschiedene Arten von Bildern in dieser Ausstellung, nicht nur die von angeschnitten Details oder unvollständig gezeigten Menschen, die am häufigsten in Zusammenhang mit Eggleston gebracht werden. So zum Beispiel die schon erwähnten schwarz-weiss Fotografien aber auch Landschaften. Mich haben die letzteren allerdings nicht so sehr beeindrucke, aber es gibt einige Ausnahmen. Wie Plate 75: Ein Feld mit gelben und lila Blumen auf einem Hügel, der sich bis zum Horizont erstreckt. Dort endet das Bild in einem schmalen Streifen blauen Himmels. Es ist aber mehr als eine bloße Blumen-Fotografie: Ein Zaun verläuft quer durch das Gelände und alles außer dem Vordergrund verschwindet in leichter Unschärfe, verursacht durch ein flache Tiefenschärfe. Die Farben sind extrem, aber dennoch nicht unplausibel. Eine geradezu surreale, leicht „verstörte“ Landschaft.
Heute sind die lebendigen Farben der teuren Abzüge (damals bis zu 1000 Dollar pro Drucken) am Verblassen. Nicht die Farben selbst, die Drucke sind natürlich von hoher Qualität. Aber ihre Wahrnehmung verblasst, denn heute kann sich jeder eine hohe Sättigung zaubern, indem etwa in Photoshop gespielt wird. Wenn die Fotografien nicht vor allem Eggleston’s einzigartiger Stil prägen würde, sie würden für viele in der heutigen flickr-Flut kaum auffallen. Da die Produktion von Materialien für den Dye-Transfer-Prozess von Kodak in den 1990er Jahren eingestellt wurde, musste auch Eggleston einen anderen Druckprozess annehmen.
Das Gebäude des “Haus der Kunst” (siehe Bild), errichtet durch die Nazis und eröffnet mit einer Ausstellung über “Entartete Kunst”, vermittelte eine gewissermaßen abstoßende Atmosphäre auf mich. Auch das Licht war nicht perfekt für eine Foto-Ausstellung, zu dämmerig für meinen Geschmack. Aber das kann auch konservatorische Gründe haben. Dennoch fehlt in den Räumen so etwas wie tageslicht, Fenster gibt es keine. Da wir am Samstag Nachmittag dort waren gab es natürlich viele Besucher und manchmal hatte ich das Gefühl, um zum nächsten Panel gedrängt zu werden, wenn auch nicht physisch. Aber die Säle sind groß und so waren die einzigen Stellen, an denen es wirklich eng wurde, die vor einiger der berühmtesten Bilder.
Der Katalog ist mit 49 Euro vergleichsweise teuer, aber sein Geld wert. Er enthält nicht nur die mehr als 200 ausgestellten Bilder, sondern auch einen umfangreichen Text (in Englisch) über Eggelstons fotografischen Karriere und seine Einflüsse ( “I can not fly, but I can make experiments” von Thomas Weski), einen Aufsatz über seine Video-Arbeiten aus den 1970er Jahren ( “The Boat to Canton” von Elisabeth Sussman), und einige kürzere Texte. Schließlich gibt es eine Biographie über 9 Seiten, die auch einige private Schwarz-Weiß-Fotos von William Eggleston zeigen (geschrieben von Adam Welch), eine Liste bisheriger Ausstellungen und eine Bibliographie. Die Druckqualität ist sehr gut, der Band aber auch sehr schwer (Hardcover!), also seid vorbereitet wenn Ihr ihn noch mit euch rum schleppen müsst.
Interessant ist, dass für einige der Fotos kein Datum der Aufnahme gefunden werden konnte. Ein Beispiel dafür ist das Unbetitelte Bild von Plate 55. Es zeigt zwei Flaschen Ketchup und einen Pfefferstreuuer die auf einem Tresen vor einer rot-weißen Wand stehen. An einem Fenster hängt ein Plakat mit einem Burger drauf. Das Foto ist aus der Serie „Los Alamos“, die in den Jahren 1965-1968 und 1972-1974 entstand. Genauer lässt sich das Datum wohl nicht festlegen.
Der aufmerksame Betrachter findet jedoch eine ähnliche Szenerie nur 45 Seiten später in Plate 81. Hier steht eine langhaarige Frau, im Profil gesehen, vor einem Imbiss. Ihre Hände ruhen auf der Theke und halten einen Dollarschein. Die Wand auf der linken stimmt mit jener im zuvor beschriebenen Bild überrein, der Tresen zeigt die gleiche Struktur und siehe da, im verschwommenen Hintergrund kann man neben einem Fenster zwei rote Ketschupflaschen ausmachen. Sogar der Pfefferstreuer ist sichtbar. Dieses Bild der Serie “10.D.70.V2″ aber hat ein Datum: 1971. Ich könnte wetten dass die beiden Aufnahmen bloß Minuten nacheinander gemacht wurden.
Alles in allem ist die Ausstellung „Democratic Camera“ definitiv einen Besuch wert, da dies eine der wenigen Chancen ist, so viele Eggleston-Bilder an einem Ort zu sehen. Sie läuft noch bis zum 17. Mai in München, im “Haus der Kunst“ (Prinzregentenstraße 1, 80538 München), geöffnet täglich von 10-22. Der Eintritt kostet: 9 Euro oder 6 Euro für Studenten und dergleichen (aber nur mit passendem Ausweis). Weitere Informationen findet Ihr auf der (etwas unorganisiert wirkenden) Homepage des Hauses der Kunst und beim Whitney Museum of American Art.
Es wird im Laufe der nächsten Monate bzw. Jahre auch noch mehrere Shows in den Vereinigten Staaten geben:
- Corcoran Gallery of Art, Washington, DC: 20. Juni - 20. September 2009
- Art Institute of Chicago, 20. February – 16. May 2010
- Los Angeles Country Museum of Art, 28. Oktober 2010 – 23. Januar 2011
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